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Berufsorientierungstag 2018

Von ehemaligen Waldorfschülern für heutige Waldorfschüler fand am Samstag 17.03.2018 der Berufsorientierungstag mit Bewerbertraining statt. Lob an die Schüler von den Bewerbungstrainern: „Was für freundliche und höfliche Schüler im Gegensatz zu solchen von den Regelschulen!“, aber auch: „Die Schüler waren geschockt über die Hürden und die Wichtigkeit des Bewerbungsschreibens als 1. Eindruck.

Über 100 Schüler hatten die Qual der Wahl: 13 Berufsgruppen mit insgesamt 19! Ehemaligen aus dem gesamten Bundesgebiet konnten sich zu Lehramt, Rechtswissenschaften, Informatik, Logopädie, Physiotherapie, Polizei, Medien, Gastronomie, Immobilien-, Mode etc. pp. aus erster Hand informieren. Meinen Berufskollegen Herrn Burchard möchte ich zitieren: „Nichts aufschieben! Dranbleiben!“ Oder auf Neu-Deutsch: You can do it!

Der Dank von FEE gilt dem Organisationsteam von Frau Anne Heimberger-Ohle und Johanna Ziegler-Berstecher, Herrn Meyndt von der Schule und seinem Schülerteam sowie allen Referentinnen und Referenten, die es auch 2018 den Schülern möglich machten, das Berufs-Leben nach der Schule vorzubereiten. Fortsetzung folgt im Frühjahr 2019. Bitte melden Sie sich, wenn auch Sie den Schülerinnen und Schüler Einblicke in ihr Berufsfeld geben können!

Markus Obenland (1. Vorstand FEE e.V./ Presse)

FEE liefert einen Nachtrag zum Jubiläumsjahr 2015:
70 Jahre Freie Waldorfschule Engelberg – 20 Jahre FEE e.V. mit Präsentation einer eindrucksvollen eurythmy-performance:

„Wer die Welt bewegen will, sollte erst sich selbst bewegen.“ Unter diesem Motto von Sokrates waren die Jugendlichen von yep – young eurythmy performance bei ihrem Gastspiel am Engelberg letzten Samstag, 5. März 2016 angetreten: Neun junge Menschen als Eurythmisten auf der Bühne zusammen mit drei Musikern an Violine, Violoncello und Klavier unter der Leitung von Aurel und Sonnhild Mothes. Sie haben sich bewegt und sie haben uns, die Zuschauer, zutiefst bewegt.

Für das gemeinsame Ziel eine junge existenzielle Eurythmieperfomance zu erarbeiten haben sich im September 2015 neun junge motivierte Menschen aus ganz Deutschland zusammengefunden. Die viermonatige, intensive Probenphase mündete in eine große Tournee durch ganz Deutschland, die Schweiz und führt bis nach Prag (Tschechien).

Musik von Bach, Schubert, Brahms, Skrijabin und Schostakowitsch sowie Texte von Dag Hammerskjöld, Rudolf Steiner und eigene Texte der ausführenden Jugendlichen verschmolzen dabei zu einem eindrucksvollen Gesamtkunstwerk. Als roter Faden zog sich dabei durch den ganzen Abend die immer wieder neu gestellte existenzielle und ebenso aktuelle Frage: Wer ist der Mensch, wer bin ich, was sind die wahren Werte des Lebens? Nahtlos wechselten die Szenen; in ihrer lebendig-pulsierenden Durchgestaltung ein Augen- und Ohrenschmaus, auch mal tänzerisch und auch mal theatralisch, aber immer aus dem eurythmischen Gestaltungswillen geboren, die Eurythmie in ihrer Ausdruckskraft unter Beweis stellend. – Für die Zuschauer dabei besonders beglückend die Intensität und die Authentizität der Jugendlichen, wobei die Schönheit auch mit durch die fantasievollen Gewänder nicht zu kurz kam. – Die Musiker trugen dabei mit ihrem hervorragenden Spiel der z.T. äußerst anspruchsvollen musikalischen Literatur ihren wesentlichen Teil zum Gelingen dieser genialen Gesamtkonzeption bei.

Der Freundeskreis Ehemaliger Engelberger e.V. freut mit der Engelberger Aufführung von „yep on tour“ zugleich einen Einblick in die Arbeit eines ehemaligen Engelberger Schülers gegeben zu haben: Nämlich von Aurel Mothes, Eurythmieleherer an der Freien Waldorfschule Kassel, der Initiator und zusammen mit seiner Frau Sonnhild Gedäcke-Mothes künstlerischer Leiter dieses Projektes ist. „Die Jugend-Eurythmie ist uns ein großes Anliegen – ihre Möglichkeiten sind unendlich vielfältig. In der Zusammenarbeit mit Jugendlichen wird das Zukünftige der Eurythmie immer wieder neu erlebbar. Forschen bedeutet hier auf der Basis der eurythmischen Grundelemente gemeinsam und experimentell Neuland zu betreten, um im Dialog mit dem Publikum wach und zeitgemäß etwas Eigenes zu präsentieren.- Deren Anliegen beschreiben sie im Programmheft so:

„Die Jugend-Eurythmie ist uns ein großes Anliegen – ihre Möglichkeiten sind unendlich vielfältig. In der Zusammenarbeit mit Jugendlichen wird das Zukünftige der Eurythmie immer wieder neu erlebbar. Forschen bedeutet hier auf der Basis der eurythmischen Grundelemente gemeinsam und experimentell Neuland zu betreten, um im Dialog mit dem Publikum wach und zeitgemäß etwas Eigenes zu präsentieren.

Es ist spannend an der Zukunft der Eurythmie mit engagierten Jugendlichen mitzugestalten. Denn, davon sind wir überzeugt: der Impuls der Eurythmie muss von der neuen Generation aufgegriffen, umgesetzt, und vor allem weiterentwickelt werden. Es macht Mut zu sehen, wie kraftvoll und mit welch wachem Bewusstsein sich die Mitwirkenden an diesem Projekt beteiligen. Durch die große Wertschätzung der Jugendlichen dieser Kunst gegenüber, hoffen wir gemeinsam einen Beitrag zum Fortbestehen der Eurythmie als Kunst leisten zu können. Dieses Programm, in seiner Komposition, möchte die vielfältigen Ansätze und Suchbewegungen, die wir in den vergangenen Monaten unternommen haben, sichtbar machen.

Die Mitarbeit bei yep! ist Orientierungszeit und Herausforderung für junge Menschen zwischen Schule und Studium, in der sie mit Gleichaltrigen über einen längeren Zeitraum herausfinden können, was sie im Leben bewirken wollen. Bewegung im Denken, Erleben und Handeln, - dafür geben wir Raum. Die künstlerischen Prozesse, in denen die Mitwirkenden in der Zusammenarbeit mit den begleitenden Künstlern stehen, ermöglichen es, Schlüsselqualifikationen wie: Kreativität, Geistesgegenwart, Präsenz, Teamfähigkeit, Durchhaltevermögen und vieles mehr zu erwerben, die für jede berufliche Situation grundlegend sind.

Unser Wunsch ist es, dass YEP in der eurythmischen Landschaft einen Impuls setzt, der durch seinen jugendlichen Ansatz zukunftsweisend neue Generationen anspricht.“

Martin Pillwein

Klassenübergreifendes Unterrichtsprojekt der 7. Klassen

Im Rahmen einer Geographie-Epoche hatten sich die 7. Klassen mit dem Schwerpunkt Afrika beschäftigt. Dies wurde von diversen Aktionen (z.B. Museumsbesuch, Maskenbau, Trommeln) begleitet. Eine davon war die Einstudierung eines Volkstanzes aus Ghana durch einen Tanzlehrer. Da die Klassenkasse nur eine Stunde pro Klasse finanzieren konnte, ist hier FEE eingesprungen, um dieses Projekt weiterführen zu können, da die Kinder begeistert vom Tanzen waren und den Tanz auch auf der Monatsfeier aufführen wollten.

Eurythmie-Werkstattaufführung des Else-Klink-Ensembles für die Schüler der Klassen 7 – 12

Am 25. Januar 2003 war abends das Else-Klink-Ensemble mit einer öffentlichen Eurythmie-Aufführung am Engelberg zu Gast.

Vorab hatte der Fachkreis Eurythmie im Dezember 2002 bei FEE angefragt, ob wir bereit wären, eine Schüler-Werkstattaufführung am Morgen vor der öffentlichen Aufführung zu unterstützen. "[...] Gerade wegen der Verbindung von Demonstration – also eine Einführung in die Gestaltungsgesichtspunkte – und anschließende künstlerische Darbietung kommt dieser Veranstaltung eine besondere pädagogische Bedeutung zu. (M. Zimmer)" Aufgrund dessen stimmte FEE dem Vorhaben gerne zu.

Diese Werkstatt-Aufführung kam sehr gut an, wie aus folgendem Bericht von Herrn Zimmer deutlich wird: "[...] Wir sahen ein interessantes und ausgewogenes Programm und hatten eine gut vorbereitete und aufmerksame Schülerschaft. Am Anfang stand eine inhaltlich sehr gelungene Demonstration der Exposition des 1. Satzes aus Beethovens Appassionata, wodurch ein klares verständnis von Form und Inhalt entstand und die Entfaltung des Themas durch das ganze Stück hindurch leicht nachvollziehbar wurde, sodass sich einige Schüler verwundert über die Offensichtlichkeit der eurythmischen Gestaltung zeigten.

Als sprachliches Pendant dazu wurde das nicht leicht zugängliche gedicht von J. Galanskow gezeigt [...]. Es entstand eine sehr dichte Atmosphäre im Saal, gewiss auch hervorgerufen durch die vorab geleistete inhaltliche Vorbereitung der Deutschlehrer und Klassenbetreuer.

Gelobt wurde die ausdrucksvolle eurythmische Gestaltung eines modernen Musikstückes, das ein breites Interesse weckte. Nach der starken Dramatik des 1. Teils wurden die Zuschauer durch einen gelungenen humoristischen Abschluss in die notwendige Lösung geführt, wie das herzhaft Mitgehen des Publikums zeigte.

Rückblickend lobten die Lehrer die dichte Stimmung dieser Schulveranstaltung, auch die Schülerschaft äußerte sich anerkennend über diese beeindruckende künstlerische Darbietung. [...] So darf ich FEE im Namen der Lehrer- und Schülerschaft für die Ermöglichung dieses Projektes sehr herzlich danken."

Wir von FEE freuen uns, dass wir damit den Schülern die Eurythmie etwas näher bringen konnten.

Heimtrainer zur Stromerzeugung im Physikunterricht

Im Herbst 2002 kam Herr Wolff auf FEE zu mit der Frage, ob wir die Kosten für ein besonderes Gerät für den Physik-Unterricht in der Mittelstufe übernehmen könnten, da dies aus dem normalen Etat heraus nicht möglich sei. Sein Konzept hat uns voll überzeugt, so dass wir dieses Gerät gerne der Schule spendiert haben.

Herr Wolff schreibt dazu: "Dem Lehrer ist es oft eine Frage, wie man die Schüler zu mehr Eigenaktivität anregen und eindrückliche Erlebnisse vermitteln kann. Ein Gerät mit dem im Physikunterricht beides in schöner Weise erreicht wird, ist nun ein umgebauter Ergometer (Heimtrainer) zur Stromerzeugung. Schon vor längerer Zeit schwebte mir vor, für die Schüler erlebbar zu machen, wie viel Kraft bzw. Energieeinsatz nötig ist, um z.B. eine 100W-Glühbirne zum Leuchten zu bringen."

Nachdem er einen ausrangierten Heimtrainer bekam, fand er eine Schorndorfer Firma, welche einen Generator zur Stromerzeugung unsichtbar in diesen Ergometer einbaute. Weiter schreibt Herr Wolff: "Der Generator und die Übersetzung wurden so berechnet und konzipiert, dass körperlich schwächere Schüler [beim Treten] mit ganzer Kraft eine 220V, 200W-Glühbirne voll zum Leuchten bringen können. Für stärkere Schüler (der Ehrgeiz mancher Schüler kennt da keine Grenzen) werden 2 Glühbirnen eingesetzt; es geht dann doppelt so schwer und so kann man auf knapp 400 W Leistung kommen. [...]

Ein beabsichtigter Nebeneffekt dieser Anlage ist vor allem, dass die Schüler sehen, welcher Kraftaufwand zur Stromerzeugung notwendig ist und dass sie mit der elektrischen Energie bewusster umgehen. Allen Mitgliedern von FEE sei hiermit herzlich für die Spende gedankt!"

FEE wünscht allen künftigen Schülergenerationen, dass ihnen ein Licht aufgeht bei dieser anschaulichen Art der Stromerzeugung im Physikunterricht.

Sachbericht über den Verlauf der Schülerbegegnung im Rahmen eines Arbeitsprojektes in Rischkowo und St. Petersburg mit der Klasse 12b (2001-2002) der Freien Waldorfschule Engelberg vom 9.Juli bis 23.Juli 2002

Nach einem Flug ohne Probleme von Stuttgart nach St.Petersburg via Prag landeten wir um 16 Uhr Ortszeit in St.Petersburg, wo wir von drei Persönlichkeiten, die unseren Aufenthalt in Rußland auf verschiedene Weise bestimmen werden, empfangen wurden. Es handelte sich um unsere Dolmetscherin und Stadtführerin für die Zeit in St.Petersburg, die uns ein ausge-sprochen reichhaltiges Programm vorbereitet hat, um eine Kindergartenlehrerin, die uns in der selben Zeit Unterkunft in den Räumen des Kindergartens sichern und für die gute Verpflegung sorgen wird, und schließlich um unseren Betreuer in Rischkowo (ein kleines Dörfchen 150 km nördlich von St.Petersburg), der an diesem Ort als Lehrer in der Grundschule tätig ist und das Landschulheim „Scholnyi Dom“ betreut. Er hat die Strapazen einer langen Fahrt auf sich genommen, um uns für die Busfahrt nach Rischkowo zu begleiten.

Etwa um 20 Uhr kamen wir in Rischkowo an und wurden von der Familie unseres Betreuers empfangen und mit einem russischen Abendessen versorgt. Wir werden in diesen 9 Tagen nur „russisch“ essen und zwar eine gute und gesunde Küche, die vorwiegend aus Kohl als Hauptgemüse besteht. Zu bemerken ist noch, dass wir jeden Tag, wie am ersten Abend „sehr spät“ schlafen gingen.Wir kamen nämlich noch in die Zeit der weißen Nächte, wo die Sonne in der Nacht kaum untergeht, so etwa um 22 Uhr, um wieder sehr früh, etwa 4 Uhr zu scheinen, so dass es die ganze Nacht hell bleibt. In den nächsten Tagen bis 18. Juli wird die Klasse in verschiedenen Arbeitseinsätzen an der Einrichtung eines zukünftigen Landschulheim teilnehmen.

Wir beginnen mit dem Wegräumen der Schutthalde, die aus dem Brand des Haupthauses in der Nacht des 24.Nov.2001 entstanden ist. In unzähligen Stunden harter Arbeit in der prallen Sonne wurde 8 Tage lang mit Schaufeln und Schubkarren die Steinfundamente des Hauses freigelegt. Diverse Materialien wurden sortiert - Metall, Backsteine, unbrauchbarer Restschutt. Es soll nämlich später ein neues Haus entstehen, das als Landschulheim für Kinder der Schulen aus St.Petersburg dienen soll.

Eine zweite Gruppe war mit Isolierungsarbeiten im Nebengebäude, einem ökologischen Haus, das im Rohbau durch Berufsschulstudenten aus Norwegen errichtet worden war, beschäftigt. Es soll als Wohnhaus für die Familie dienen, die durch den Brand ihr ganzes Hab und Gut verloren hat.

Eine dritte Gruppe war diese 8 Tage im Garten tätig und schaffte es, den Garten, der in wildem Zustand war, wieder sauber zu pflegen. Dies war eine sehr wichtige Arbeit, wenn man bedenkt, dass die Familie mit 5 Kindern auf eigenes Gemüse angewiesen ist für ihre tägliche Nahrung und auch als Wintervorrat.

Die vierte Gruppe hat jeden Tag mit der Hausmutter für 36 Personen gekocht und mit sehr einfachen, bescheidenen und teilweise primitiven Mitteln, für den „Haushalt“ in einer provisorischen Baracke ohne fließend Wasser, ohne richtige Sitzgelegenheiten usw. gesorgt.

Um so wichtiger war die fünfte Gruppe, die in diesen acht Tagen sechs große Bänke und zwei große Tische gezimmert hat, dazu diverse Küchengeräte aus Holz geschnitzt oder geschreinert.

Eine sechste Gruppe half täglich in der Nachbar-Einrichtung „Svetlana“ bei der Heuernte, Garten- und Ackerpflege, oder bei Bauarbeiten. Es handelt sich um eine Einrichtung für geistig behinderte Menschen.

Bei allen diesen Arbeiten gab es immer wieder Möglichkeiten für Begegnungen mit vielen Menschen aus der Umgebung, vorwiegend Jugendliche. Sogar jüngere Kinder kamen, um bei der Arbeit zuzuschauen und scheuten nicht mitzuhelfen, so dass man von echten Begegnungen sprechen kann, auch wenn diese nicht „organisiert“ waren. Schließlich sind ja in Rußland im Juni, Juli und August Ferien und die Schulen sind alle geschlossen. Es war wirklich schön, diese Begegnungen zu erleben, bis tief in der Nacht an der Feuerstelle mit Gesprächen und Liedern. Die SchülerInnen haben ein Land kennengelernt auf einer ganz anderen Weise als üblich, d.h. nicht als Konsumenten, sondern als Teilnehmer an der täglichen Arbeit.

Ein Besuch an einem freien Tag in einer der ältesten Stadt Rußlands (Stara-Ladoga), ermöglichte auch durch eine gekonnte Führung einen lebendigen Einblick in der Geschichte Rußlands zu bekommen. Auch das gemeinsame Leben mit der Familie, die nur Russisch sprach war, war ein Beitrag zu der gewünschten Ost-West-Verständigung! Nie wären die SchülerInnen in ein kleines Dorf im Hinterland, unter sehr primitive Verhältnissen gekommen, wenn sie sich nicht ein Ziel gesteckt hätten.

Der zweite Teil der Reise war eine Begegnung mit der Großstadt Sankt-Petersburg.

Nach einer wiederum 3-stündigen Busfahrt von Rischkowo nach St.Petersburg, wurden wir in den Räumen eines Kindergartens einquartiert und mit einem köstlichen russischen Mittagessen bewirtet. (Aus obengenannten Grund können wir nicht, wie ursprünglich vorgesehen, in den Räumen der Schule „Schkola Datschnom“ übernachten, und auch die Begegnung mit der russischen Klasse kann nicht stattfinden). Um 17 Uhr ging es schon los mit einen Stadtrundgang, so dass wir einen ersten Eindruck gewinnen konnten von dieser prachtvollen Stadt, die auf den Sümpfen des Newa Deltas ab 1703 von Peter I gebaut wurde. Wir erfahren dann, dass in jener Zeit über 200.000 Menschen zur Mithilfe am Aufbau der Stadt mehr oder weniger gezwungen worden waren. Am Abend konnten wir einer Ballettaufführung beiwohnen und damit den kulturellen Teil dieser Reise eröffnen. Der nächste Tag war der Isaak-Kathedrale gewidmet, einem prachtvolles Gebäude mit viel Gold und Edelsteinen, das auf 20.000 Baumstämmen, die man in den sumpfigen Boden gestampft hat, errichtet worden war. Danach folgte eine Schiffrundfahrt auf den Kanälen und Nebenarmen der Newa, die uns ein sehr eindrucksvolles Bild der Stadt mit ihren zahlreichen, fast nicht zerstörten, jedoch renovierungsbedürftigen Paläste gab, daher auch der Beiname „Venedig des Norden“.

Am Nachmittag hatten wir unsere erste Begegnung im Deutschen Zentrum an der Petri-Kirche mit Jugendlichen, die in dieser Ferienzeit für uns extra da geblieben waren. Diese Begegnung wurde vermittelt durch die DJO (Deutsche Jugend in Europa). Es war für die SchülerInnen die Gelegenheit junge RussenInnen näher kennen zulernen und Gespräche und Gedanken miteinander auszutauschen. Verabredungen für ein Treffen in Deutschland wurden angedacht. Auch am nächsten Tag fanden einzelne Zusammenkünfte statt.

Am Samstag ging es auf eine Exkursion außerhalb der Stadt zum Peterhof, eine Sommerresidenz der Zaren, ähnlich wie Versailles. Es war auch sehr beeindruckend, mit dem Bus die prunkvolle Stadt zu verlassen, durch die Vorstadt zu fahren und erleben müssen, dass nicht überall in St.Petersburg es so „schön“ und renoviert ist wie im Zentrum! Die Rückfahrt wurde dann per Tragflächenboot über den Finnischen Meerbusen und über die Newa unternommen, so dass wir auch die vielen riesigen Brücken bewundern konnten, die sich jede Nacht für 2-3 Stunden öffnen für den Verkehr der großen Schiffe.

Der Sonntag wurde ganz der Eremitage (eines der größten Museen Europas) gewidmet. Hier startete die Revolution in der Nacht vom 24. auf 25 Oktober 1917 durch den Sturm auf den Winterpalast .Viele Stunden weilten wir in den unzähligen Galerien, wo die ganze Kultur der Menschheit in Gemälden, Plastiken und anderen Objekten, von der Moderne bis zurück in die Steinzeit, zu sehen sind. Am Abend durften wir noch eine zweite Ballettaufführung, „Schwanensee“ von Peter Tschaikowski genießen, was einen Höhepunkt der kulturellen Begegnung mit dem Land darstellte. Der letzte Tag stand zur freien Verfügung, was noch ermöglichte, nach Interesse oder Bedürfnis hier und da eine Besichtigung zu machen oder ganz einfach den Puls der Stadt in Ruhe wahrzunehmen.

Am 23.Juli nahmen wir am Vormittag Abschied von unserer Dolmetscherin und Begleiterin und von den Kindergartenlehrerinnen, die für die Verpflegung in diesen 5 Tage gesorgt hatten.

Eine sehr gelungene Reise, wenn man zurückblickt auf die zahlreichen Begegnungen die wir hatten. Vor allem sind sehr viele Vorurteile , die manche SchülerInnen gegenüber dem Osten bzw. gegenüber Rußland hatten abgebaut worden, und das schon ist diese Projektreise und die vielen Strapazen der Vorbereitung der Mühe Wert gewesen.

Albert Roche

Engelberg am 8. August 2002

Anmerkung:
Die Schülerbegegnung wurde von FEE e.V. unterstützt.

Schorndorfer Zeitung
Rems-Murr-KuItur

Samstag, 20. Oktober 2001, Nummer 243

Er erforschte das Wesen des Lachens

Zum Tod des Backnanger Clowns, Regisseurs, Chansonniers und „Humorosophen" Frieder Nögge

Von unserem Redaktionsmitglied Peter Schwarz, Backnang

Lachen hat nichts zu tun mit Oberflächlichkeit, auch wenn es im Zeitalter der „Comedy" manchem vorkommen mag, als sei Komik nicht mehr als schnell hingeplapperter und schnell vergessener Klamauk. In ihren intensivsten Momenten ist Komik immer auch ein Anlachen gegen die Tränen - sie hilft, in Abgründe zu blicken und den Anblick zu ertragen. Die größte Komik gewinnt ihre leucht­kräftigsten Konturen oft vor einem dunklen Bühnenhintergrund. Frieder Nögge war einer von denen, die in diesem Sinne das Wesen des Lachens bis auf den tiefsten Grund erforscht haben, er nannte sich selbst einmal einen „Humorosophen". Gegenüber dem Magazin „Spiegel" sprach er vor Jahren von einer „tief sitzenden Angst", die ihn dazu gebracht habe, schon als Kind sein Gesicht in Clownsfarben zu bemalen. In einem seiner Liedtexte findet sich der Satz: „Wer nix weiß, den trifft koin Schmerz." Diese Woche, im Alter von 46 Jahren, ist Frieder Nögge, der bundesweit beachtete Theaterclown, Regisseur, Chansonnier und Nachwuchsförderer, freiwillig in den Tod gegangen.

Mobirise

Der „Clown in vier Temperamenten" war sein Paradestück. 1978 spielte er erstmals die legendäre Charakterstudie um die vier medizinischen Typen nach Hippokrates - den Melancholiker, den Sanguiniker, den Phlegmatiker, den Choleriker; den Traurigen, den Glücklichen, den Faulen, den Wütenden. Dem Phlegmatiker galt erkennbar seine Sympathie: Während die drei anderen sich lautstark selbst entlarvten, betrachtete das Phlegma mit stillem Vergnügen und in sich ruhend diese menschliche Komödie. Wie viele Menschen scheint Nögge besonders geliebt zu haben, was ihm selbst unerreichbar blieb. Ein Satz in dem Stück lautete: „Kein anderer ist so, wie man selbst leider nie gerne sein kann." In diesem seltsam verschränkten Sprachgebilde, wo der Sinn, kaum, dass man seiner habhaft geworden zu sein glaubt, schon wieder ausbuchst mit jedem neuen Wort, in diesem Satz war auf kauzig-humoreske Art ein ganzes Weltgefühl enthalten: Die Sehnsucht nach etwas Bestimmtem mag erfüllbar sein - es gibt aber auch eine Sehnsucht an sich, namenlos, ohne Maß und Ziel, und dieses Gefühl ist seinem Wesen nach unstillbar.


Matrose, Komödiant, Lehrer, Förderer

 Nögge, geboren am 21. März 1955 in Göppingen, heuerte nach der Mittleren Reife auf einem Küstenmotorschiff als Matrose an, studierte Schauspiel in Hamburg, schloss mit Auszeichnung ab, wurde Clown und Kabarettist, gründete die dem Forum-Theater angegliederte Freie Kleintheaterschule Stuttgart, ging nach Differenzen mit der Theaterleitung nach Hamburg, war Hausnarr am schrägsten Varietee Deutschlands, dem legendären „Schmidt". 1995 gründete er das Nögge-Atelier-Theater in Backnang, 1997 die Schule für Improvisationstheater und Schauspiel, eine bundesweit einzigartige und viel beachtete Institution. Er gastierte in europäischen Metropolen von London über Amsterdam bis Zürich, förderte Kleinkunsttalente wie die A-cappella-Gruppe „Die Füenf", textete seinen Schülern abendfüllende Stücke auf den Leib oder schrieb für sie melancholische, oft sehr leise Chansons.

In einem der Lieder steht die Zeile: „Ich bin kein Halt für den, der mich hält." Nina Haun, die mit ihm das Backnanger Theater gründete, hat von ihm gesagt: „Er war wie eine Kerze, die an zwei Enden brennt, er ist permanent über seine Grenzen gegangen, aber wissentlich. Er wollte es so."

Bildunterschrift unter einem hier nicht gezeigten Bild: 
Eine letzte Verbeugung. Schluss-Applaus. Wie aber wird es weitergehen mit dem Backnanger Atelier-Theater? Der Backnanger Oberbürgermeister und Theater-Fördervereinsvorsitzende Jürgen Schmidt hat erklärt, es sei eine „Verpflichtung", Nögges Erbe als Bühnen- und Theaterschul-Leiter fortzuführen. Näheres wird sich wohl erst in Wochen oder Monaten weisen.